Junges Paar analysiert gemeinsam Finanzierungspläne mit Taschenrechner und Unterlagen am Küchentisch
Veröffentlicht am April 18, 2024

Der Schlüssel zur Hypothek liegt nicht darin, blind Bankregeln zu erfüllen, sondern die Bewertungslogik der Bank strategisch zu verstehen und für sich zu nutzen.

  • Die Tragbarkeitsprüfung basiert auf einem fiktiven Risikopuffer (kalkulatorischer Zinssatz), nicht auf den realen Zinsen.
  • Der Einsatz von Pensionskassengeldern ist ein mächtiger Hebel, dessen steuerliche und langfristige Folgen (Vorbezug vs. Verpfändung) genau abgewogen werden müssen.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihre Finanzierung nicht isoliert, sondern als strategisches Gesamtprojekt. Verstehen Sie, wie die Bank Ihr Risiko bewertet, um Ihre Anfrage optimal zu positionieren und Fallstricke zu vermeiden.

Für viele Erstkäufer in der Schweiz ist es ein frustrierendes Paradox: Das nötige Eigenkapital ist mühsam angespart, das Traumobjekt gefunden, doch dann kommt die kalte Dusche der Bank – die Tragbarkeit ist nicht gegeben. Sie stehen vor einer scheinbar unüberwindbaren Wand, obwohl Sie finanziell solide aufgestellt sind. Die gängigen Ratschläge, einfach mehr zu sparen oder die Ausgaben zu senken, greifen hier zu kurz und ignorieren die eigentliche Herausforderung.

Die landläufige Meinung, man bräuchte nur 20 % Eigenkapital und die monatliche Belastung dürfe ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen, ist nur die halbe Wahrheit. In der Realität ist der Prozess weitaus komplexer. Banken agieren nicht willkürlich; sie folgen einer strengen, internen Risikologik, die für Aussenstehende oft wie eine Blackbox wirkt. Es ist fast unmöglich, in der Schweiz eine Hypothek komplett ohne Eigenkapital zu erhalten, daher liegt der Fokus auf der Optimierung der bestehenden Mittel.

Doch was, wenn die wahre Lösung nicht darin liegt, noch härter für die Regeln der Bank zu arbeiten, sondern darin, diese Regeln zu verstehen und strategisch zu navigieren? Der entscheidende Vorteil entsteht, wenn Sie aufhören, nur als Antragsteller zu agieren und anfangen, wie ein Hypothekenstratege zu denken. Es geht darum, die Denkweise der Bank zu entschlüsseln – insbesondere den Grund für den hohen kalkulatorischen Zinssatz und die Bewertung Ihres Risikoprofils.

Dieser Artikel führt Sie hinter die Kulissen der Bankenlogik. Wir zeigen Ihnen, warum die Tragbarkeitsrechnung so konservativ ist, wie Sie Ihre Vorsorgegelder intelligent einsetzen, welche strategischen Entscheidungen den grössten Hebel haben und wie Sie teure Fehler im Finanzierungsprozess vermeiden. Sie lernen, die richtigen Fragen zu stellen und Ihre Finanzierung so zu strukturieren, dass sie für die Bank nicht nur tragbar, sondern auch attraktiv wird.

Die folgende Gliederung bietet Ihnen einen detaillierten Fahrplan, um die Hürden der Immobilienfinanzierung strategisch zu meistern. Jeder Abschnitt beleuchtet einen kritischen Aspekt, der über Erfolg oder Misserfolg Ihres Vorhabens entscheiden kann.

Warum Banken bei der Tragbarkeit mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5% rechnen

Die häufigste Quelle der Frustration für Hypothekenantragsteller ist der kalkulatorische Zinssatz. Obwohl die aktuellen Hypothekarzinsen vielleicht bei nur 1.5% liegen, rechnet die Bank Ihre monatliche Belastung mit einem fiktiven Satz von typischerweise 5%. Dies führt dazu, dass die kalkulierte Belastung deutlich höher ausfällt als die tatsächliche und viele Antragsteller an der berühmten Ein-Drittel-Regel scheitern. Doch warum tun Banken das? Die Antwort liegt im Risikomanagement.

Dieser Satz ist kein Versuch, Sie zu benachteiligen, sondern ein Risikopuffer für die Bank. Eine Hypothek ist eine langfristige Verpflichtung, oft über Jahrzehnte. Die Bank muss sicherstellen, dass Sie die Raten auch dann noch bezahlen können, wenn die Zinsen in Zukunft stark ansteigen sollten. Der 5%-Satz simuliert ein solches Hochzinsszenario. Zusätzlich zum kalkulatorischen Zins rechnet die Bank noch 1% des Immobilienwerts für Nebenkosten und Unterhalt sowie die Amortisationsrate in die Gesamtbelastung ein. All diese Posten zusammen dürfen in der Regel nicht mehr als 35% Ihres Bruttoeinkommens ausmachen.

Das Verständnis dieser Logik ist entscheidend. Anstatt sich über den hohen Satz zu ärgern, können Sie strategisch handeln. Wenn Ihre Tragbarkeit knapp ist, kann eine Erhöhung des Eigenkapitals den benötigten Kreditbetrag senken und so die kalkulatorische Zinslast reduzieren. Eine weitere Option ist die Wahl einer längeren Amortisationsdauer für die zweite Hypothek, falls die Bank dies zulässt, um die jährliche Belastung zu senken. Der Hebel ist beträchtlich: Laut Berechnungen des VZ VermögensZentrums benötigen Käufer bei einem Kaufpreis von einer Million Franken rund 180’000 Franken Bruttoeinkommen, um die Tragbarkeitskriterien zu erfüllen.

Die folgende Tabelle der Schwyzer Kantonalbank illustriert, wie sich bereits kleine Änderungen am kalkulatorischen Zinssatz auf das erforderliche Einkommen für eine Beispielhypothek von CHF 800’000 auswirken. Sie zeigt, dass die Bankenlogik auf reinen Kennzahlen basiert, die Sie zu Ihren Gunsten beeinflussen können.

Tragbarkeitsberechnung mit verschiedenen kalkulatorischen Zinssätzen
Kalkulatorischer Zinssatz Erforderliches Nettoeinkommen (CHF) Monatliche Belastung (CHF)
4.5% 158’600 4’628
5.0% 167’000 4’872
5.25% 171’200 4’994

Anstatt also passiv auf eine Zusage zu hoffen, können Sie proaktiv Ihre Zahlen optimieren, um die internen Schwellenwerte der Bank zu erreichen. Dies ist der erste Schritt vom einfachen Antragsteller zum strategischen Käufer.

Wie Sie Gelder aus der Pensionskasse (2. Säule) sicher für den Hauskauf einsetzen

Wenn das Eigenkapital die grösste Hürde darstellt, ist der Griff in die Pensionskasse (2. Säule) eine der wirkungsvollsten Optionen in der Schweiz. Doch hier lauern strategische Entscheidungen mit langfristigen Konsequenzen. Es gibt zwei Hauptwege, Vorsorgegelder zu nutzen: den Vorbezug und die Verpfändung. Die Wahl zwischen beiden hängt stark von Ihrer finanziellen Situation, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer Steuerstrategie ab.

Beim Vorbezug entnehmen Sie einen Teil Ihres Altersguthabens und wandeln es in echtes Eigenkapital um. Dies senkt die benötigte Hypothekarsumme und verbessert sofort Ihre Tragbarkeit. Der Nachteil: Ihr Altersguthaben und somit Ihre zukünftige Rente werden reduziert. Zudem fällt auf den bezogenen Betrag sofort eine Kapitalauszahlungssteuer an. Der grosse Vorteil ist die geringere monatliche Belastung durch die tiefere Hypothek.

Bei der Verpfändung bleibt Ihr Geld in der Pensionskasse und dient der Bank lediglich als zusätzliche Sicherheit. Die Bank gewährt Ihnen im Gegenzug eine höhere Hypothek, die bis zu 90% des Immobilienwerts betragen kann, anstatt der üblichen 80%. Ihr Altersguthaben bleibt unangetastet und verzinst sich weiter, aber Ihre Hypothekarschuld und die Zinslast sind höher. Dies kann eine Option sein, wenn Sie die Tragbarkeitsrechnung knapp erfüllen und Ihr Alterskapital nicht schmälern wollen.

Zwei Hände halten symbolisch verschiedene Finanzierungsoptionen mit Dokumenten im Hintergrund

Die Entscheidung ist nicht trivial. Ein Vorbezug kann sinnvoll sein, wenn Sie die Tragbarkeit sonst nicht schaffen oder die monatlichen Kosten niedrig halten wollen. Eine Verpfändung ist oft für Personen mit hohem Einkommen attraktiv, die die höhere Zinslast tragen können und ihr Vorsorgekapital unberührt lassen möchten. Eine sorgfältige Planung ist unerlässlich, um die für Sie passende Strategie zu finden.

Ihr Fahrplan für den Pensionskassen-Vorbezug:

  1. Verfügbarkeit prüfen: Klären Sie mit Ihrer Pensionskasse ab, wie hoch der maximal verfügbare Betrag für die Wohneigentumsförderung ist.
  2. Steuerfolgen berechnen: Lassen Sie eine provisorische Steuerrechnung für den Vorbezug erstellen, um die Höhe der einmaligen Kapitalsteuer (oft 1-2% des Betrags) zu kennen.
  3. Vorbezug vs. Verpfändung vergleichen: Stellen Sie die monatlichen Kosten und die langfristigen Rentenauswirkungen beider Szenarien gegenüber. Berücksichtigen Sie Ihre Risikofähigkeit.
  4. Wiedereinkauf strategisch planen: Ein späterer Wiedereinkauf des vorbezogenen Kapitals ist möglich und steuerlich absetzbar. Planen Sie dies über mehrere Jahre, um die Steuerprogression zu brechen.
  5. Antrag fristgerecht stellen: Beantragen Sie den Vorbezug mindestens drei Monate vor dem geplanten Kaufabschluss, da die Bearbeitung Zeit in Anspruch nimmt.

Letztendlich verwandelt die richtige Nutzung der 2. Säule ein potenzielles Finanzierungsdefizit in einen strategischen Vorteil und kann den entscheidenden Unterschied für eine erfolgreiche Finanzierung ausmachen.

Stockwerkeigentum oder Einfamilienhaus: Was bietet langfristig mehr Wertsteigerung

Die Entscheidung zwischen einer Eigentumswohnung und einem Einfamilienhaus ist mehr als eine Frage des Lebensstils – sie ist eine fundamentale Investitionsentscheidung. Beide Optionen haben unterschiedliche Einstiegshürden und Wertentwicklungspotenziale. Für Erstkäufer, die mit den Tragbarkeitsregeln kämpfen, stellt sich oft die Frage: Soll ich auf das Traum-Einfamilienhaus sparen oder mit einer strategisch gewählten Eigentumswohnung (Stockwerkeigentum) den Einstieg schaffen?

Das Einfamilienhaus gilt als der Inbegriff des Wohntraums, kommt aber mit einem hohen Preis. In der Schweiz kostet heute ein durchschnittliches Einfamilienhaus rund 1,5 Millionen Franken, was für die meisten Erstkäufer eine enorme finanzielle Hürde darstellt. Der grosse Vorteil liegt im Landanteil, der historisch gesehen der primäre Treiber für die Wertsteigerung von Immobilien ist. Zudem geniessen Eigentümer mehr Autonomie bei Umbauten und Gestaltung.

Stockwerkeigentum ist in der Regel deutlich erschwinglicher und ermöglicht einen früheren Einstieg in den Immobilienmarkt. Dies erlaubt es Käufern, frühzeitig von steigenden Immobilienpreisen zu profitieren und Eigenkapital aufzubauen. Anstatt Miete zu zahlen, investieren Sie in Ihr eigenes Vermögen. Der Nachteil ist die geringere Autonomie – Entscheidungen über die Gebäudehülle oder Gemeinschaftsbereiche werden von der Eigentümergemeinschaft getroffen. Die Wertsteigerung ist oft stärker an die Lage und die Qualität des Gebäudes gekoppelt als an den Bodenwert.

Für viele kann eine Eigentumswohnung ein strategisches Sprungbrett sein. Anstatt jahrelang auf ein Einfamilienhaus zu sparen und dabei steigenden Preisen hinterherzulaufen, kann der Kauf einer Wohnung der erste Schritt sein. Nach einigen Jahren, wenn durch Amortisation und Wertsteigerung neues Eigenkapital gebildet wurde, kann die Wohnung verkauft und der Gewinn als Eigenkapital für den Kauf eines Einfamilienhauses eingesetzt werden. Dieser Ansatz verwandelt die Wartezeit in eine aktive Vermögensbildungsphase. Die Wahl hängt letztlich von Ihrer finanziellen Reichweite, Ihrer langfristigen Lebensplanung und Ihrer Risikobereitschaft ab.

Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern darum, die Option zu wählen, die Ihre finanzielle Situation am besten hebelt und Sie Ihren langfristigen Zielen näherbringt.

Der Fehler bei der Konsolidierung des Baukredits, der Sie Tausende Franken kostet

Wer eine Immobilie ab Plan kauft oder einen Umbau finanziert, nutzt dafür in der Regel einen Baukredit. Die Bank bezahlt die anfallenden Handwerkerrechnungen direkt aus diesem Kreditrahmen. Was viele nicht wissen: Der Zinssatz für einen Baukredit ist deutlich höher als für eine reguläre Hypothek, da die Bank ein höheres Risiko trägt und der administrative Aufwand grösser ist. Der kritische Moment, der oft übersehen wird, ist die Konsolidierung – die Umwandlung des Baukredits in eine langfristige Hypothek.

Der teuerste Fehler ist die Prokrastination. Viele Bauherren warten bis zur Bauendabrechnung, um den Baukredit zu konsolidieren. Während der gesamten Bauphase zahlen sie jedoch den hohen Baukreditzins auf den bereits beanspruchten Betrag. Strategisch klüger ist es, den Baukredit so früh wie möglich in Tranchen in eine Festhypothek umzuwandeln. Sobald ein grösserer Teil des Kredits beansprucht wurde (z.B. nach der Zahlung einer grossen Unternehmerrechnung), kann dieser Teil bereits zu den günstigeren Konditionen einer Festhypothek fixiert werden.

Ein weiterer kostspieliger Fehler ist das Versäumnis, die Hypothekarkonditionen frühzeitig zu verhandeln. Oft werden die Konditionen für die finale Hypothek erst am Ende der Bauzeit besprochen. Befindet sich der Markt dann in einer Hochzinsphase, zahlen Sie für die gesamte Laufzeit einen ungünstigeren Zins. Ein vorausschauender Käufer verhandelt die Konditionen für die finale Hypothek bereits bei Abschluss des Baukreditvertrags und sichert sich die Zinssätze für die Zukunft (mittels Forward-Hypothek), wenn diese gerade günstig sind.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie haben einen Baukredit von CHF 800’000 zu 2.5% Zins. Nach 6 Monaten sind bereits CHF 400’000 beansprucht. Wenn Sie diese Summe nicht konsolidieren, zahlen Sie für weitere 6 Monate den hohen Zins. Hätten Sie diese Tranche frühzeitig in eine Festhypothek zu 1.5% umgewandelt, hätten Sie auf CHF 400’000 eine Zinsdifferenz von 1% gespart. Auf ein halbes Jahr gerechnet, sind das bereits CHF 2’000. Werden mehrere Tranchen über die Bauzeit optimiert, können sich die Einsparungen schnell auf Tausende von Franken summieren.

Die Konsolidierung ist kein passiver administrativer Akt, sondern eine aktive strategische Entscheidung, die den Grundstein für die Rentabilität Ihrer Investition legt.

Wann ist der ideale Zeitpunkt im Jahr, um nach „Schnäppchen“ zu suchen

Die Suche nach der perfekten Immobilie gleicht oft der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, besonders in einem überhitzten Markt. Dennoch gibt es Marktzyklen und saisonale Muster, die strategisch denkende Käufer zu ihrem Vorteil nutzen können. Die Vorstellung von „Schnäppchen“ ist in der Schweiz relativ, aber es gibt definitiv Zeitfenster, in denen das Angebot grösser oder die Konkurrenz geringer ist.

Traditionell gelten der Frühling und der Frühherbst als die heissesten Phasen am Immobilienmarkt. Das Angebot ist gross, da viele Verkäufer ihre Objekte im besten Licht präsentieren wollen. Gleichzeitig ist aber auch die Nachfrage am höchsten, was die Preise in die Höhe treibt und Bieterkriege wahrscheinlicher macht. Für Käufer, die unter Druck stehen, sind dies oft die schwierigsten Monate.

Interessanter werden die vermeintlichen „stillen“ Perioden. Der späte Herbst und die Wintermonate (November bis Februar) sind oft durch eine geringere Nachfrage gekennzeichnet. Viele potenzielle Käufer sind mit den Feiertagen beschäftigt oder wollen einen Umzug im Winter vermeiden. Verkäufer, die ihre Immobilie in dieser Zeit inserieren, haben oft einen grösseren Verkaufsdruck. Dies kann zu mehr Verhandlungsspielraum führen. Auch wenn das Angebot kleiner ist, kann die geringere Konkurrenz die Chance auf einen besseren Deal erhöhen.

Kalenderblätter mit abstrakten Markierungen zeigen günstige Kaufzeitpunkte

Ein weiterer strategischer Zeitpunkt ist der Sommer, insbesondere die Hauptferienzeit im Juli und August. Ähnlich wie im Winter sind viele potenzielle Käufer abwesend. Immobilien, die im Frühling nicht verkauft wurden, bleiben auf dem Markt und die Verkäufer werden möglicherweise nervös und kompromissbereiter. Ein antizyklisches Vorgehen – also dann zu suchen, wenn andere im Urlaub sind – kann sich auszahlen. Es geht darum, die Psychologie des Marktes zu verstehen und gegen den Strom zu schwimmen, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Letztendlich ist die beste Immobilie diejenige, die Sie finden, wenn Sie bereit sind. Aber eine strategische Planung Ihrer Suche kann den Unterschied zwischen einem guten und einem exzellenten Kauf ausmachen.

Warum die Swap-Sätze steigen, bevor die Nationalbank den Leitzins erhöht

Für jeden, der eine Festhypothek abschliessen möchte, ist das Zinsumfeld entscheidend. Viele beobachten gebannt die Entscheide der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Leitzins. Doch oft steigen die Zinsen für Festhypotheken bereits Wochen oder Monate, bevor die SNB überhaupt handelt. Das liegt daran, dass sich die Kosten für Festhypotheken nicht direkt am Leitzins orientieren, sondern an den Swap-Sätzen.

Ein Swap-Satz ist im Grunde eine Wette auf die zukünftige Zinsentwicklung. Wenn eine Bank Ihnen eine 10-jährige Festhypothek verkauft, geht sie ein Risiko ein. Sie leiht sich das Geld selbst kurzfristig am Kapitalmarkt (z.B. zu SARON-Konditionen) und verleiht es Ihnen langfristig zu einem festen Satz. Um sich gegen das Risiko steigender Zinsen abzusichern, schliesst die Bank ein Gegengeschäft am Swap-Markt ab. Der Swap-Satz ist der Preis für diese Versicherung.

Dieser Preis wird von den Erwartungen der Marktteilnehmer bestimmt. Wenn die Mehrheit der grossen Finanzakteure (Fonds, Versicherungen, Banken) erwartet, dass die SNB die Zinsen in den nächsten Monaten anheben wird, um die Inflation zu bekämpfen, steigt der Preis für die „Zinsversicherung“ – die Swap-Sätze ziehen an. Die Banken geben diese höheren Absicherungskosten direkt an die Hypothekarkunden weiter, indem sie die Zinsen für neue Festhypotheken erhöhen. Dies erklärt die Zinskurven-Antizipation: Der Markt handelt die Zukunft, nicht die Gegenwart.

Dieses Phänomen zu verstehen, ist für Hypothekennehmer von grossem strategischem Wert. Anstatt passiv auf den SNB-Entscheid zu warten, sollten Sie die Entwicklung der Swap-Sätze beobachten. Diese sind ein Frühindikator für die Zinsentwicklung bei Festhypotheken. Steigen die Swaps, ist das ein klares Signal, dass sich das Zeitfenster für günstige Festhypotheken schliessen könnte. Wie die UBS Hypothekenexperten in ihrer Analyse festhalten:

Die Zinsentwicklung unterliegt stärkeren Schwankungen, ausgelöst durch verschiedene Faktoren. 2022 begann die SNB als Reaktion auf den Inflationsausbruch den Leitzins anzuheben, was zu einem kräftigen Anstieg der Anleihenrenditen führte.

– UBS Hypothekenexperten, UBS Hypothekarzinsen Analyse

Wer die Sprache des Kapitalmarkts versteht, kann Zinsentscheide antizipieren, anstatt von ihnen überrascht zu werden, und sich so die besten Konditionen sichern.

Wie schnell amortisieren sich die Mehrkosten für eine 3-fach Verglasung durch Heizkostenersparnis

Beim Kauf einer Immobilie, insbesondere eines älteren Objekts, sind energetische Sanierungen ein zentrales Thema. Eine der effektivsten Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz ist der Austausch alter Fenster durch eine moderne 3-fach Verglasung. Diese Investition verbessert nicht nur den Wohnkomfort erheblich, indem sie Kältebrücken und Zugluft eliminiert, sondern senkt auch nachhaltig die Heizkosten. Doch wie schnell rechnet sich diese Investition?

Die Amortisationszeit hängt von drei Hauptfaktoren ab: den Investitionskosten, der erzielten Heizkostenersparnis und den verfügbaren kantonalen Fördergeldern. Die Mehrkosten für eine 3-fach Verglasung im Vergleich zu einer 2-fach Verglasung sind heute relativ gering, der energetische Nutzen aber ist beträchtlich. Moderne Fenster können den Wärmeverlust um bis zu 75% reduzieren. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus kann dies eine jährliche Ersparnis von mehreren Hundert bis über Tausend Franken bei den Heizkosten bedeuten.

Ein entscheidender Faktor sind die Förderprogramme. Viele Kantone unterstützen energetische Sanierungen grosszügig über das Gebäudeprogramm. Diese Zuschüsse reduzieren die Anfangsinvestition erheblich und verkürzen die Amortisationszeit drastisch. Zudem bieten viele Banken sogenannte Umweltdarlehen oder „grüne“ Hypotheken für energieeffiziente Bauten und Sanierungen an. Für umweltfreundliches Bauen und Renovieren erhalten Sie unter bestimmten Bedingungen ein Umweltdarlehen mit einer Zinssatzreduktion von bis zu 0.8%, was die Finanzierungskosten zusätzlich senkt.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sich die Amortisationszeit je nach Kanton und Förderhöhe unterscheiden kann. Sie verdeutlicht, dass sich die Investition in Bergkantonen mit hohen Förderbeiträgen und langen Heizperioden besonders schnell bezahlt macht.

Amortisation 3-fach Verglasung nach Kanton
Kanton/Region Förderung (CHF/m²) Amortisationszeit (Jahre) GEAK-Verbesserung
Zürich (Mittelland) 75-100 8-10 +1 Klasse
Graubünden (Engadin) 100-150 5-7 +2 Klassen
Genf (Seebecken) 50-75 10-12 +1 Klasse

Eine energetische Sanierung ist somit nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch eine clevere finanzielle Entscheidung, die den Wert Ihrer Immobilie langfristig steigert und Ihre laufenden Kosten senkt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der kalkulatorische Zinssatz ist ein Risikopuffer der Bank, den Sie durch höheres Eigenkapital oder eine längere Amortisation strategisch beeinflussen können.
  • Der Einsatz von Pensionskassengeldern ist eine weitreichende Entscheidung. Wägen Sie die steuerlichen und rentenrelevanten Folgen von Vorbezug versus Verpfändung genau ab.
  • Die Wahl des Hypothekarmodells (Fest vs. SARON) sollte auf einer fundierten Einschätzung Ihrer persönlichen Risikotoleranz und der Markterwartungen basieren, nicht auf dem aktuell tiefsten Zinssatz.

Sollten Sie jetzt eine 10-jährige Festhypothek abschliessen oder auf SARON setzen

Die Wahl des richtigen Hypothekarmodells ist die letzte grosse strategische Entscheidung im Finanzierungsprozess. Die Debatte zwischen einer langfristigen Festhypothek und einer flexiblen SARON-Hypothek ist eine Abwägung zwischen Sicherheit und Kosteneffizienz. Es gibt keine universell richtige Antwort – die optimale Wahl hängt vollständig von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und Ihrer Einschätzung der zukünftigen Zinsentwicklung ab.

Die 10-jährige Festhypothek ist die Versicherung unter den Hypotheken. Sie bietet absolute Planungssicherheit. Ihr Zinssatz bleibt über die gesamte Laufzeit unverändert, egal wie stark die Zinsen am Markt steigen. Dieser Schutz hat seinen Preis: Festhypotheken sind in der Regel teurer als SARON-Hypotheken, da die Bank die Zinssicherung in den Preis einrechnet. Dieses Modell eignet sich für sicherheitsorientierte Personen, die ihr Budget exakt planen möchten und schlecht mit Unsicherheit umgehen können. In Zeiten, in denen aktuelle Zinssätze für 10-jährige Festhypotheken bei rund 1.4% lagen, war die Nachfrage entsprechend hoch.

Die SARON-Hypothek ist das Gegenstück. Ihr Zinssatz passt sich alle drei Monate an den aktuellen Referenzzinssatz (SARON) an, zuzüglich einer festen Marge der Bank. In einem Umfeld mit stabilen oder fallenden Zinsen ist dieses Modell historisch gesehen fast immer günstiger. Sie profitieren direkt von Zinssenkungen. Der Nachteil ist die fehlende Planbarkeit. Bei steigenden Zinsen erhöht sich Ihre monatliche Belastung, was Ihr Budget strapazieren kann. Dieses Modell ist für Personen geeignet, die finanzielle Flexibilität haben, um höhere Zinsen zu verkraften, und die aktiv am Marktgeschehen teilhaben wollen.

Eine beliebte Strategie zur Risikostreuung ist das Splitting. Anstatt alles auf eine Karte zu setzen, können Sie Ihre Hypothek aufteilen, zum Beispiel 70% in eine langfristige Festhypothek für die finanzielle Basis und 30% in eine SARON-Hypothek, um von potenziell tiefen Zinsen zu profitieren. Diese sogenannte „Hantel-Strategie“ kombiniert das Beste aus beiden Welten: ein hohes Mass an Sicherheit mit einem gewissen Sparpotenzial.

Nachdem Sie die Mechanismen des Marktes verstanden haben, ist es an der Zeit, Ihre persönliche Hypothekenstrategie festzulegen und die Wahl zwischen Sicherheit und Flexibilität zu treffen.

Um die für Sie optimale Entscheidung zu treffen, ist der nächste logische Schritt eine detaillierte Analyse Ihrer persönlichen Finanzlage und Risikotoleranz. Holen Sie sich eine unabhängige Beratung, um ein Finanzierungskonzept zu erstellen, das perfekt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Häufig gestellte Fragen zur Wahl des Hypothekarmodells

Was ist besser für Sicherheitsorientierte?

Eine 10-jährige Festhypothek bietet Planungssicherheit bei gleichbleibendem Zinssatz über die gesamte Laufzeit.

Wann lohnt sich eine SARON-Hypothek?

Bei fallenden oder stabilen Zinsen und wenn Sie flexibel auf Marktveränderungen reagieren möchten.

Kann ich die Hypothek aufteilen?

Ja, die Hantel-Strategie kombiniert z.B. 70% Festhypothek mit 30% SARON für eine Balance zwischen Sicherheit und Flexibilität.

Geschrieben von Reto Hürlimann, Eidg. dipl. Immobilien-Treuhänder und Finanzberater mit 15 Jahren Erfahrung im Zürcher Markt. Spezialisiert auf Hypothekarstrategien, Mietrecht und die Bewertung von Renditeobjekten in der Deutschschweiz.