
Zusammenfassend:
- Ersetzen Sie planloses Flanieren durch eine strategische Vorbereitung, indem Sie online die Galerien und Künstler recherchieren.
- Nutzen Sie eine strukturierte Methode wie die „3-Besuchs-Strategie“, um die Szene effizient zu erkunden und gezielte Gespräche zu führen.
- Treffen Sie Ihre Kaufentscheidung nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern nutzen Sie eine „Kopf-Herz-Bauch-Matrix“, die Analyse, Emotion und praktische Aspekte verbindet.
- Verstehen Sie die Quartier-Dynamik von Zürich (z. B. Seefeld vs. Kreis 4), um die Kunst zu finden, die zu Ihrem Stil und Budget passt.
Die Zürcher Kunstszene pulsiert. Zwischen dem mondänen Seefeld und den kreativen Adern des Kreises 4 wimmelt es von Galerien, die von internationalen „Blue-Chip“-Künstlern bis zu aufregenden jungen Positionen alles bieten. Für Einsteiger kann dieser Reichtum jedoch schnell zur Überforderung werden. Die gläsernen Türen der Galerien wirken oft wie eine unsichtbare Barriere, und die Angst, „dumme“ Fragen zu stellen oder das eigene Unwissen preiszugeben – die sogenannte Schwellenangst –, ist weit verbreitet.
Viele Ratgeber geben gut gemeinte, aber vage Tipps wie „Kaufen Sie, was Ihnen gefällt“ oder „Legen Sie einfach ein Budget fest“. Doch diese Ratschläge helfen nicht, die grundlegende Unsicherheit zu überwinden. Sie lassen Sie allein mit der wichtigsten Frage: Wie treffe ich eine Entscheidung, die sich nicht nur heute gut anfühlt, sondern auch morgen noch Bestand hat? Was, wenn die wahre Kunst des Kunstkaufs nicht in einer spontanen Laune, sondern in einem strategischen, aber dennoch persönlichen Prozess liegt?
Dieser Guide ist Ihr persönlicher Kunstberater. Wir ersetzen die Schwellenangst durch Insider-Wissen und zeigen Ihnen ein klares System, um die Zürcher Galerienwelt selbstbewusst zu navigieren. Wir werden nicht nur die Etikette entschlüsseln, sondern Ihnen auch eine Entscheidungsmatrix an die Hand geben, die weit über die Frage hinausgeht, ob ein Werk farblich zum Sofa passt. So wird Ihr erster Kunstkauf nicht zu einem Ratespiel, sondern zu einer fundierten und zutiefst persönlichen Entdeckungsreise.
Dieser Artikel führt Sie schrittweise durch den Prozess, von der ersten Orientierung in der Zürcher Galerienlandschaft bis hin zu den praktischen Aspekten des Transports. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Themen, die wir behandeln, um Sie optimal auf Ihren ersten Kunstkauf vorzubereiten.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zum ersten Kunstwerk in Zürich
- Wie Sie die Galerien-Tage nutzen, um effizient einen Überblick zu bekommen?
- Muss man nach dem Preis fragen oder steht er dran (Galerien-Etikette)?
- Wo finden Sie etablierte Kunst und wo die wilden Jungen?
- Kreis 4 oder Seefeld: Welches Quartier passt zu Ihrem Budget und Lifestyle?
- Warum Sie Kunst nie nur kaufen sollten, weil sie „zum Sofa passt“?
- Wie Sie Skulpturen beleuchten, damit sie plastisch wirken und keine „Fratzen“ werfen?
- Was müssen Sie beachten, wenn Sie ein Werk aus der Galerie nach Hause (ins Ausland) schicken?
- Warum der Pfahlbau-Fund am Bielersee unser Bild der Steinzeit verändert hat?
Wie Sie die Galerien-Tage nutzen, um effizient einen Überblick zu bekommen?
Die Zürcher Kunstszene ist dicht und vielfältig. So vertritt allein der Verein DIE ZÜRCHER GALERIEN zurzeit 54 der renommiertesten Galerien. Um bei dieser Auswahl nicht den Überblick zu verlieren, ist eine strategische Herangehensweise entscheidend. Anstatt wahllos von einer Galerie zur nächsten zu ziehen, bieten sich organisierte Events wie das „Zurich Art Weekend“ als idealer Einstiegspunkt an. Während dieser Tage herrscht eine offenere, festivalähnliche Atmosphäre, die Galerien haben erweiterte Öffnungszeiten und bieten oft spezielle Führungen an – perfekt, um die Schwellenangst abzubauen.
Um diese Events maximal zu nutzen, empfiehlt sich die „3-Besuchs-Strategie“. Dieser methodische Ansatz hilft Ihnen, Eindrücke zu filtern und eine fundierte Entscheidung zu treffen:
- Der erste Besuch (breite Orientierung): Besuchen Sie an einem Tag 5-7 Galerien, ohne sich unter Druck zu setzen. Schauen Sie nur, sammeln Sie Eindrücke und nehmen Sie mit, was Sie emotional anspricht. Stellen Sie keine Fragen, sammeln Sie einfach visuelle Daten.
- Der zweite Besuch (gezielte Vertiefung): Nachdem Sie eine Nacht über Ihre Eindrücke geschlafen haben, wählen Sie die 2-3 Galerien aus, deren Programme Sie am meisten fasziniert haben. Kehren Sie zurück und suchen Sie nun aktiv das Gespräch mit den Galeristen. Fragen Sie nach den Künstlern, den Konzepten und lassen Sie sich die Preisliste geben.
- Der dritte Besuch (finale Entscheidung): Mit den gesammelten Informationen kehren Sie gezielt zu Ihrer favorisierten Galerie zurück. Jetzt können Sie finale Fragen klären, über die Logistik sprechen und die Kaufentscheidung treffen.
Diese strukturierte Vorgehensweise verwandelt einen potenziell überwältigenden Prozess in eine überschaubare und spannende Entdeckungsreise. Das Zurich Art Weekend beispielsweise zeigt die enorme Vielfalt der Szene, von international etablierten Playern bis hin zu jungen, innovativen Galerien, und ist somit der perfekte Rahmen für Ihre ersten beiden Besuche.
Muss man nach dem Preis fragen oder steht er dran (Galerien-Etikette)?
Die Frage nach dem Preis ist oft der heikelste Moment für Kunst-Einsteiger. Man will nicht uninformiert oder unhöflich wirken. Die gute Nachricht: Es gibt etablierte Regeln, die das Gespräch erleichtern. Grundsätzlich gilt, dass Preise in Galerien selten direkt neben dem Werk stehen. Dies ist kein Versuch, etwas zu verbergen, sondern eine Einladung zum Dialog. Die Kunstexpertin und Autorin Daniela Hinrichs bringt das Dilemma auf den Punkt:
Viele Menschen glauben, dass sie nicht genug Ahnung von Kunst haben, um den Preis eines Werks realistisch beurteilen zu können. Sie scheuen sich aus verschiedenen Gründen, selbstbewusst eine Galerie, ein Atelier oder einen Messestand anzusteuern. Das ist bedauerlich, aber verständlich; schliesslich wirkt der Kunstmarkt nicht nur auf Unerfahrene komplex und Hinblick auf die Preise intransparent.
– Daniela Hinrichs, Kunstexpertin und Autorin
Um diese Hürde zu überwinden, ist es wichtig, die Preisanfrage nicht als simple Abfrage, sondern als Gesprächsstarter zu sehen. Ein „Was kostet das?“ kann kurz angebunden wirken. Eine Formulierung wie „Können Sie mir mehr über dieses Werk erzählen? Mich würde auch der preisliche Rahmen interessieren“ öffnet die Tür für ein tiefergehendes Gespräch über den Künstler, die Technik und den Kontext des Werkes.

Eine weitere diskrete Methode ist, am Empfang nach der Preisliste der Ausstellung zu fragen. Diese liegt oft aus und gibt einen kompletten Überblick. Achten Sie auch auf kleine rote Punkte neben einem Werk – sie signalisieren „verkauft“ und sind ein Indikator für die aktuelle Nachfrage nach dem Künstler. Sollten Sie ernsthaftes Interesse haben, zögern Sie nicht, um ein, zwei Tage Bedenkzeit zu bitten oder sich nach der Möglichkeit einer Ratenzahlung zu erkundigen. Professionelle Galerien sind hier oft flexibel.
Wo finden Sie etablierte Kunst und wo die wilden Jungen?
Zürichs Kunstszene ist geografisch und konzeptionell segmentiert. Zu wissen, wo man suchen muss, ist der Schlüssel, um gezielt die Kunst zu finden, die den eigenen Interessen und dem eigenen Budget entspricht. Man kann grob zwischen „Blue-Chip“-Galerien mit etablierten internationalen Künstlern, „Mid-Career“-Galerien und experimentelleren „Project Spaces“ unterscheiden. Diese verschiedenen Typen konzentrieren sich oft in bestimmten Stadtteilen.
In den letzten Jahren ist eine interessante Bewegung zu beobachten: Immer mehr renommierte Galerien suchen wieder die Nähe zur Altstadt und zum Kunsthaus Zürich. Internationale Schwergewichte wie Hauser & Wirth, Galerie Presenhuber oder Lévy Gorvy with Rumbler haben ihre Präsenz an der Rämistrasse und im Kreis 1 verstärkt. Hier finden Sie Kunst, die bereits einen etablierten Marktwert hat – eine sichere, aber auch kostspieligere Wahl.
Im Gegensatz dazu hat sich Zürich-West, insbesondere der Kreis 4 und 5, als Hotspot für jüngere, experimentellere und oft erschwinglichere Kunst etabliert. Hier finden Sie aufstrebende Künstler und „Project Spaces“, die oft direktere und unkonventionellere Kunsterlebnisse bieten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Galerie-Typen und ihre typischen Standorte und Preisspannen in Zürich:
Diese Übersicht hilft Ihnen bei der Planung Ihres Galerie-Rundgangs, wie es auch eine aktuelle Analyse der Zürcher Galerienmeile zeigt.
| Galerie-Typ | Standort | Preisrange | Künstler |
|---|---|---|---|
| Blue-Chip (z.B. Hauser & Wirth) | Rämistrasse/Altstadt | CHF 10’000+ | Etablierte internationale Künstler |
| Mid-Career-Galerien | Seefeld/Kreis 1 | CHF 2’000-10’000 | Aufstrebende Künstler mit Markterfahrung |
| Project Spaces | Kreis 4/5 (Zürich-West) | CHF 500-5’000 | Junge experimentelle Positionen |
| Off-Spaces | Diverse Quartiere | CHF 200-2’000 | Direktkontakt zu Künstlern |
Kreis 4 oder Seefeld: Welches Quartier passt zu Ihrem Budget und Lifestyle?
Die Entscheidung zwischen den Kunstquartieren Zürichs ist mehr als nur eine Frage der Logistik – es ist eine Frage des Lifestyles und der persönlichen Präferenz. Die Atmosphäre, in der Sie Kunst entdecken, prägt Ihre Erfahrung massgeblich. Die beiden Pole, das elegante Seefeld und das raue, kreative Langstrassenquartier (Kreis 4), bieten völlig unterschiedliche Welten.
Das Seefeld und der Kreis 1 rund um die Rämistrasse sind das traditionelle Herz der Zürcher Kunstszene. Ein Galerienbummel hier fühlt sich an wie ein Spaziergang durch ein Freilichtmuseum. Die Galerien sind etabliert, die Räume oft makellos weiss und die Präsentation klassisch-elegant. Nach dem Galeriebesuch geht man in ein schickes Café oder an den See. Hier suchen Sie, wenn Sie an etablierten Positionen, „Mid-Career“-Künstlern und einer ruhigen, konzentrierten Atmosphäre interessiert sind. Das Budget ist tendenziell höher, aber die Investition gilt als sicherer.
Der Kreis 4 und der angrenzende Kreis 5 (Zürich-West) bieten das Kontrastprogramm. Die Gegend ist dynamisch, urban und ungeschliffen. Galerien befinden sich in ehemaligen Industriegebäuden, Hinterhöfen oder experimentellen „Off-Spaces“. Hier geht es weniger um repräsentative Eleganz als um den kreativen Puls der Stadt. Sie entdecken junge, „wilde“ Künstler, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Die Preise sind zugänglicher, das Risiko ist höher, aber das Potenzial für eine echte Entdeckung ist es auch. Ein Galerienbesuch im Kreis 4 lässt sich perfekt mit einem Drink in einer angesagten Bar oder dem Besuch eines Konzerts verbinden.
Ihre Wahl hängt also von Ihrer Persönlichkeit ab: Suchen Sie die zeitlose Eleganz und die etablierten Namen des Seefelds oder die rohe Energie und die aufstrebenden Talente des Kreises 4? Beides hat seinen Reiz und beides ist ein integraler Bestandteil der reichen Zürcher Kunst-DNA.
Warum Sie Kunst nie nur kaufen sollten, weil sie „zum Sofa passt“?
Der Gedanke ist verlockend: Ein grosses, leeres Wandstück über dem Sofa schreit förmlich nach einem Kunstwerk. Schnell ist man versucht, die Entscheidung auf eine rein dekorative Ebene zu reduzieren: „Passt die Farbe? Stimmt das Format?“ Doch ein Kunstkauf, der nur auf diesen Kriterien basiert, führt selten zu langfristiger Zufriedenheit. Kunst ist mehr als Dekoration; sie ist ein Dialogpartner, der im besten Fall über Jahre hinweg inspiriert, herausfordert und emotional berührt.
Um eine solch tiefgreifende Verbindung zu einem Werk aufzubauen, braucht es einen ausgewogenen Entscheidungsprozess. Anstelle einer reinen Bauchentscheidung oder einer rein rationalen Investitionslogik hat sich die „Kopf-Herz-Bauch-Matrix“ als wertvolles Werkzeug erwiesen. Sie gewichtet die drei entscheidenden Ebenen:

- Herz (ca. 50%): Dies ist die wichtigste Komponente. Das Werk muss eine emotionale Reaktion in Ihnen auslösen. Stellt es eine Verbindung her? Weckt es Erinnerungen, provoziert es, beruhigt es? Wenn ein Werk Sie emotional kaltlässt, werden Sie sich schnell daran sattsehen, egal wie gut es zum Sofa passt.
- Kopf (ca. 30%): Die rationale Ebene. Recherchieren Sie die Biografie des Künstlers. Hat er bereits in anerkannten Institutionen ausgestellt? Wie hat sich sein Werk entwickelt? Diese Informationen geben dem Werk Kontext und sind ein Indikator für eine potenzielle Wertstabilität oder -steigerung.
- Bauch (ca. 20%): Die praktischen Aspekte. Hier kommt das Sofa ins Spiel, aber nicht nur. Passt das Werk wirklich an den vorgesehenen Platz? Wie sind die Lichtverhältnisse? Benötigt es eine spezielle Rahmung oder einen besonderen Schutz? Ein guter Tipp ist, die Galerie um eine „Zur-Ansicht“-Option für einige Tage zu Hause zu bitten, um diese Punkte zu prüfen.
Diese Matrix hilft, eine impulsive Verliebtheit von einer nachhaltigen Beziehung zu unterscheiden. Ein Kunstwerk, das sowohl Ihr Herz berührt, Ihren Intellekt anregt als auch praktisch in Ihr Leben passt, ist eine Anschaffung, die Ihnen dauerhaft Freude bereiten wird.
Ihr Aktionsplan: Audit Ihres potenziellen Kunstwerks
- Punkte des Erstkontakts: Notieren Sie, wo und wie Sie das Werk entdeckt haben (Galerie, Messe, Atelier). Was war Ihr allererster Eindruck?
- Sammlung der Fakten: Sammeln Sie alle verfügbaren Informationen: Künstlerbiografie, Ausstellungshistorie, Technik, Jahr und Preis. Fordern Sie die Preisliste an.
- Abgleich mit Kriterien: Konfrontieren Sie das Werk mit Ihren „Herz-Kopf-Bauch“-Kriterien. Löst es eine starke emotionale Reaktion aus (Herz)? Ist der Hintergrund des Künstlers überzeugend (Kopf)? Passt es praktisch in Ihr Zuhause (Bauch)?
- Prüfung der Einzigartigkeit: Was macht dieses Werk für Sie besonders und unvergesslich? Gibt es ein Detail, eine Geschichte oder eine Technik, die es von anderen abhebt?
- Plan zur Integration: Visualisieren Sie das Werk an seinem finalen Platz. Welche Beleuchtung benötigt es? Welche weiteren Schritte (Rahmung, Transport) sind notwendig?
Wie Sie Skulpturen beleuchten, damit sie plastisch wirken und keine „Fratzen“ werfen?
Ein Kunstwerk entfaltet seine volle Wirkung erst durch die richtige Präsentation – und bei Skulpturen ist die Beleuchtung der entscheidende Faktor. Eine schlechte Ausleuchtung kann eine faszinierende Plastik flach und leblos erscheinen lassen oder, schlimmer noch, durch unvorteilhafte Schatten groteske „Fratzen“ erzeugen. Die Kunst der Skulpturenbeleuchtung liegt darin, ihre Dreidimensionalität, Textur und Form zu betonen.
Das Grundprinzip lautet: Vermeiden Sie frontales, flaches Licht. Eine einzelne Lichtquelle direkt von vorne (z. B. ein Deckenstrahler genau über dem Betrachter) eliminiert alle Schatten und lässt die Skulptur konturlos erscheinen. Stattdessen sollten Sie mit Licht aus verschiedenen Winkeln arbeiten, um ein Spiel aus Licht und Schatten zu erzeugen, das die Form modelliert.
Zwei grundlegende Techniken
- Das Drei-Punkt-Licht-System: Diese aus der Fotografie stammende Technik ist ideal für freistehende Skulpturen.
- Führungslicht (Key Light): Die stärkste Lichtquelle, die schräg von oben (ca. 45 Grad) auf die Skulptur gerichtet ist. Sie definiert die Hauptform und wirft die charakteristischen Schatten.
- Aufhelllicht (Fill Light): Eine weichere, weniger intensive Lichtquelle, die von der gegenüberliegenden Seite kommt. Ihre Aufgabe ist es, die vom Führungslicht erzeugten Schatten leicht aufzuhellen, um Details sichtbar zu machen, ohne die Plastizität zu zerstören.
- Spitzlicht (Backlight): Ein Licht von hinten oder schräg hinten, das die Konturen der Skulptur vom Hintergrund abhebt und ihr Tiefe verleiht.
- Streiflicht zur Betonung der Textur: Um die Oberflächenbeschaffenheit eines Materials (z. B. rauer Stein, polierte Bronze) hervorzuheben, ist Streiflicht ideal. Positionieren Sie eine Lichtquelle sehr flach von der Seite oder von oben/unten. Das Licht „streift“ über die Oberfläche und macht jede noch so feine Unebenheit durch winzige Schatten sichtbar. Dies verleiht dem Objekt eine enorme Haptik und Lebendigkeit.
Achten Sie zudem auf die Farbtemperatur der Leuchtmittel. Warmweisses Licht (unter 3300 Kelvin) schafft eine gemütliche, intime Atmosphäre, während neutralweisses Licht (3300-5300 Kelvin) die Farben des Kunstwerks neutraler wiedergibt. Experimentieren Sie mit dimmbaren LED-Spots, um die Intensität perfekt an die Tageszeit und die gewünschte Stimmung anpassen zu können.
Was müssen Sie beachten, wenn Sie ein Werk aus der Galerie nach Hause (ins Ausland) schicken?
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben sich für ein Kunstwerk entschieden! Nun beginnt der letzte, aber entscheidende Schritt: der sichere Transport nach Hause, insbesondere wenn eine Landesgrenze überschritten wird. Die Logistik des Kunsttransports, insbesondere aus der Schweiz in die EU oder ein anderes Land, erfordert Sorgfalt und Kenntnis der Zollformalitäten, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Der erste wichtige Punkt ist die Mehrwertsteuer (MwSt.). Wenn Sie als im Ausland wohnhafte Person ein Kunstwerk in der Schweiz kaufen und es exportieren, haben Sie in der Regel Anspruch auf eine Rückerstattung der Schweizer MwSt. Seit dem 1. Januar 2024 gelten in der Schweiz neue Mehrwertsteuersätze, wobei der Normalsatz 8,1% beträgt. Klären Sie das genaue Vorgehen für die Rückerstattung direkt mit der Galerie. Im Gegenzug müssen Sie das Werk in Ihrem Heimatland verzollen und die dort geltende Einfuhrumsatzsteuer entrichten.
Für einen reibungslosen Ablauf sollten Sie die folgende Checkliste beachten:
Checkliste für den Kunstexport aus der Schweiz
- MwSt.-Rückerstattung klären: Besprechen Sie mit der Galerie den Prozess zur Rückerstattung der Schweizer Mehrwertsteuer bei Export in die EU oder ein anderes Land.
- Elektronische Ausfuhranmeldung: Für die Ausfuhr ist eine elektronische Zollanmeldung über das System „ATLAS-Ausfuhr“ erforderlich. Seriöse Galerien oder spezialisierte Spediteure übernehmen diesen Schritt für Sie.
- Zustandsbericht (Condition Report) anfordern: Verlangen Sie vor dem Verpacken einen detaillierten Zustandsbericht mit hochauflösenden Fotos des Werks. Dies dokumentiert den Zustand vor dem Transport und ist für die Versicherung essenziell.
- Wichtige Dokumente sichern: Stellen Sie sicher, dass Sie alle relevanten Papiere erhalten: die Originalrechnung, ein Echtheitszertifikat (Certificate of Authenticity) und, falls vorhanden, Informationen zur Provenienz (Besitzerhistorie).
- Spezialisierten Kunstspediteur beauftragen: Für wertvolle oder empfindliche Werke ist ein auf Kunst spezialisierter Spediteur die beste Wahl. Er kümmert sich um die fachgerechte Verpackung, den klimatisierten Transport und die gesamte Zollabwicklung.
- Versicherungsschutz prüfen: Klären Sie, ob Ihre Hausratversicherung den Transport abdeckt oder ob eine separate Transportversicherung abgeschlossen werden muss.
Auch wenn es bürokratisch klingt: Eine sorgfältige Abwicklung schützt Ihre Investition und sorgt dafür, dass Ihr neues Kunstwerk sicher und ohne unerwartete Kosten bei Ihnen ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Strategie schlägt Impuls: Ein erfolgreicher Kunstkauf ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines strukturierten Vorgehens, von der Recherche bis zur finalen Entscheidung.
- Die Kopf-Herz-Bauch-Entscheidung: Die nachhaltigste Wahl treffen Sie, wenn Ihr Kunstwerk Sie emotional berührt (Herz), einen interessanten Hintergrund hat (Kopf) und praktisch in Ihr Leben passt (Bauch).
- Der Kontext ist entscheidend: Die Wirkung eines Kunstwerks hängt stark von seinem Umfeld ab – vom Galerie-Quartier, in dem Sie es entdecken, bis zur Beleuchtung in Ihrem Zuhause.
Warum der Pfahlbau-Fund am Bielersee unser Bild der Steinzeit verändert hat?
Nachdem wir die strategischen, emotionalen und logistischen Aspekte des Kunstkaufs beleuchtet haben, lohnt sich ein letzter, metaphorischer Blick auf die Bedeutung einer solchen Anschaffung. Auf den ersten Blick scheint ein archäologischer Fund prähistorischer Pfahlbauten am Bielersee nichts mit dem Kauf zeitgenössischer Kunst in Zürich zu tun zu haben. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine tiefere Parallele: Beide Ereignisse sind Akte der Entdeckung, die unsere Wahrnehmung der Welt verändern.
Der Fund der gut erhaltenen Siedlungsreste hat das Bild einer primitiven Steinzeit radikal korrigiert. Er zeigte eine komplexe, vernetzte Gesellschaft mit erstaunlichen handwerklichen Fähigkeiten. Es war nicht nur ein Fund von altem Holz; es war die Entdeckung eines neuen Narrativs über unsere eigene Vergangenheit. Eine ganze Epoche musste neu bewertet werden.
Ihr erster Kunstkauf ist Ihr persönlicher „Pfahlbau-Fund“. Sie erwerben nicht nur ein Objekt aus Leinwand und Farbe oder Bronze und Stein. Sie holen sich eine neue Perspektive, eine neue Geschichte in Ihr Zuhause. Ein gutes Kunstwerk fordert Sie heraus, es stellt Fragen, es lässt Sie vertraute Dinge neu sehen. Es kann die Atmosphäre eines ganzen Raumes verändern und somit auch die Art und Weise, wie Sie sich in diesem Raum fühlen und denken. Es wird Teil Ihrer persönlichen Geschichte und verändert subtil, aber nachhaltig Ihren Blick auf die Welt – und auf sich selbst.
Letztendlich geht es beim Sammeln von Kunst nicht darum, Wände zu füllen, sondern darum, den eigenen Horizont zu erweitern. Es ist eine Investition in die eigene Neugier und die eigene Fähigkeit, die Welt durch die Augen eines anderen zu sehen.
Beginnen Sie noch heute Ihre persönliche Expedition in die Zürcher Kunstwelt. Der nächste „Fund“, der Ihre Sichtweise verändert, wartet vielleicht schon in der nächsten Galerie auf Sie.