Aufgereiht Hautpflegeprodukte in der richtigen Anwendungsreihenfolge von dünn zu dick
Veröffentlicht am Februar 18, 2024

Die Wahrheit ist: Die meisten teuren Hautpflegeprodukte scheitern nicht an ihrer Qualität, sondern an einer falschen Anwendungsreihenfolge, die ihre chemische Wirkung aufhebt und die Hautbarriere schädigt.

  • Chemische Konflikte, wie der pH-Wert-Unterschied zwischen Vitamin C und Retinol, können Wirkstoffe neutralisieren.
  • Die Chronobiologie der Haut diktiert, dass Schutz (Antioxidantien) morgens und Reparatur (Retinoide, Peptide) abends am effektivsten sind.

Empfehlung: Denken Sie wie ein Chemiker. Priorisieren Sie nicht die Anzahl der Schritte, sondern die chemische Kompatibilität und den biologischen Rhythmus Ihrer Haut für sichtbare Ergebnisse.

Ihr Badezimmerschrank ist gefüllt mit vielversprechenden Seren, teuren Cremes und hochkonzentrierten Wirkstoffen, doch die versprochenen Ergebnisse bleiben aus? Sie sind nicht allein. Viele investieren in hochwertige Produkte, ohne zu wissen, dass der Erfolg einer Hautpflegeroutine weniger von den einzelnen Inhaltsstoffen als von ihrer strategischen Abfolge abhängt. Die gängige Regel „von dünnflüssig zu reichhaltig“ ist zwar ein guter Anfang, kratzt aber nur an der Oberfläche eines weitaus komplexeren Themas.

Das eigentliche Problem liegt tiefer: in der Chemie und Biologie der Haut. Produkte können sich gegenseitig neutralisieren, ihre Aufnahme blockieren oder im schlimmsten Fall die Hautbarriere aktiv schädigen, wenn sie in der falschen Reihenfolge oder zur falschen Tageszeit aufgetragen werden. Es geht nicht darum, eine 10-Schritte-Routine zu absolvieren, sondern darum, die Synergien und Konflikte zwischen den Wirkstoffen zu verstehen. Die Wirksamkeit Ihrer Pflege ist ein präzises Zusammenspiel aus pH-Werten, Molekülgrössen und den natürlichen Reparaturzyklen Ihrer Haut.

Doch was, wenn die wahre Ursache für Ihre Hautprobleme nicht ein Mangel an Produkten, sondern deren falsche Kombination ist? Dieser Artikel entlarvt die häufigsten Anwendungsfehler aus chemischer Sicht. Wir werden die Wissenschaft hinter dem „Layering“ entschlüsseln und Ihnen zeigen, wie Sie die Chronobiologie Ihrer Haut nutzen, um mit weniger Produkten bessere und nachhaltigere Ergebnisse zu erzielen. Es ist an der Zeit, Ihre Routine von einer reinen Abfolge zu einer intelligenten Strategie zu machen.

Um Ihnen eine klare Struktur für die Optimierung Ihrer Pflegeroutine zu bieten, haben wir diesen Leitfaden in logische Schritte unterteilt. Das nachfolgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Kernthemen, die wir behandeln werden, von chemischen Wirkstoffkonflikten bis hin zur Reparatur der Hautbarriere.

Warum Vitamin C und Retinol zusammen aufgetragen Ihre Hautbarriere zerstören können?

Die gleichzeitige Anwendung von Vitamin C und Retinol ist einer der häufigsten und kostspieligsten Fehler in der Hautpflege. Es ist, als würde man versuchen, zwei hochspezialisierte Experten gleichzeitig in einem lauten Raum arbeiten zu lassen – das Ergebnis ist Chaos, nicht Synergie. Der Grund dafür ist ein fundamentaler pH-Wert-Konflikt. Reines Vitamin C in Form von L-Ascorbinsäure benötigt einen sauren pH-Wert von etwa 3-4, um stabil zu bleiben und effektiv in die Haut einzudringen. Retinol hingegen funktioniert am besten in einem leicht sauren bis neutralen Milieu, typischerweise bei einem pH-Wert von 5.5 bis 6.

Visuelle Darstellung der pH-Skala mit optimalen Wirkbereichen für Vitamin C und Retinol

Trägt man beide Produkte direkt nacheinander auf, versucht die Haut, diesen pH-Wert-Unterschied auszugleichen. Dies führt dazu, dass das saure Milieu für das Vitamin C angehoben und das optimale Milieu für Retinol gesenkt wird. Im Ergebnis wird die Wirksamkeit beider Inhaltsstoffe drastisch reduziert. Schlimmer noch: Diese chemische „Auseinandersetzung“ auf Ihrer Haut kann den Säureschutzmantel schwächen und zu Irritationen, Rötungen und einer gestörten Hautbarriere führen. Dabei ist Retinol, wenn es korrekt angewendet wird, äusserst wirksam. Eine Analyse von Kenvue über sechs Studien zeigte, dass die tägliche Anwendung von 0,1% stabilisiertem Retinol bereits nach vier Wochen sichtbare Verbesserungen bei allen Zeichen der Lichtalterung bewirkte.

Morgens Schutz, abends Reparatur: Wie Sie die Chronobiologie der Haut nutzen?

Ihre Haut hat, genau wie Ihr Körper, einen inneren 24-Stunden-Rhythmus, die sogenannte Chronobiologie. Diesen Rhythmus zu ignorieren, bedeutet, gegen die natürlichen Prozesse Ihrer Haut zu arbeiten. Die goldene Regel lautet: Morgens schützen, abends reparieren. Tagsüber ist Ihre Haut damit beschäftigt, sich gegen Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung, Umweltverschmutzung und freie Radikale zu verteidigen. Daher ist die morgendliche Routine der ideale Zeitpunkt für Antioxidantien wie Vitamin C und einen Breitband-Sonnenschutz. Diese Wirkstoffe agieren als Schutzschild und neutralisieren Schäden, bevor sie entstehen können.

Nachts schaltet die Haut in den Reparatur- und Regenerationsmodus. Die Zellregeneration erreicht ihren Höhepunkt, und die Hautbarriere wird durchlässiger. Dies hat zwei wichtige Konsequenzen: Erstens ist die Haut empfänglicher für aktive Wirkstoffe wie Retinoide, Peptide oder chemische Peelings. Zweitens, und das ist entscheidend, ist auch der Wasserverlust höher. Studien zur Hautchronobiologie belegen, dass der transepidermale Wasserverlust (TEWL) nachts ansteigt. Eine reichhaltige, reparierende Nachtcreme mit Ceramiden und Lipiden ist daher unerlässlich, um diesen Feuchtigkeitsverlust auszugleichen und die Reparaturprozesse zu unterstützen. Die Anwendung von Wirkstoffen nach diesem biologischen Takt maximiert ihre Effizienz erheblich.

Um Ihre Pflegeroutine perfekt auf den Tagesrhythmus abzustimmen, können Sie sich an folgenden Zeitpunkten orientieren:

  • Morgens: Der Fokus liegt auf Schutz. Tragen Sie antioxidative Pflege (z.B. Vitamin C) und anschliessend einen hohen Sonnenschutz auf.
  • Mittags: Die Talgproduktion ist am höchsten. Mattierende Produkte oder Blotting Papers können hier helfen, Glanz zu kontrollieren.
  • Abends: Die Zellregeneration beginnt. Dies ist der optimale Zeitpunkt für Peelings (AHA/BHA) und die Anwendung von Retinoiden.
  • Nachts: Die Haut verliert am meisten Feuchtigkeit. Reichhaltige Cremes mit Ceramiden helfen, die Barriere zu schliessen und den Wasserverlust zu minimieren.

Skin Cycling: Wie Sie mit weniger Produkten bessere Ergebnisse erzielen?

Das Konzept des Skin Cycling ist die logische Antwort auf die Überforderung der Haut durch zu viele aktive Wirkstoffe. Anstatt die Hautbarriere täglich mit Säuren und Retinoiden zu bombardieren, gibt dieser 4-Nächte-Zyklus der Haut gezielte Impulse und ausreichend Zeit zur Erholung. Es ist eine Strategie, die auf dem Prinzip „weniger ist mehr“ basiert und die Integrität der Hautbarriere in den Mittelpunkt stellt. Anstatt Produkte zu schichten, werden sie strategisch rotiert, um maximale Wirkung bei minimaler Irritation zu erzielen.

Ein typischer Zyklus sieht so aus: Nacht 1 ist für ein chemisches Peeling (AHA/BHA) reserviert, um die Haut zu erneuern. Nacht 2 ist für einen aktiven Wirkstoff wie Retinol vorgesehen, der die Kollagenproduktion anregt. Die Nächte 3 und 4 sind reine Regenerationsphasen, in denen nur sanfte, feuchtigkeitsspendende und reparierende Produkte (z.B. mit Ceramiden, Hyaluronsäure, Niacinamid) verwendet werden. Dieser Rhythmus ermöglicht es den potenten Wirkstoffen, ihre Arbeit zu tun, ohne die Hautbarriere durch ständige Reizung zu schwächen.

Dabei ist die oft geäusserte Sorge, dass Säuren und Retinol sich gegenseitig deaktivieren, ein weit verbreiteter Mythos, wenn sie nicht gleichzeitig, sondern in einem Zyklus angewendet werden. Das Paula’s Choice Research Team stellt klar:

Es gibt keine Forschungsergebnisse, die zeigen, dass AHA-/BHA-Peelings die Wirksamkeit von Retinol deaktivieren. Retinol in Kombination mit AHAs hilft sogar, Hyperpigmentierungen zu reduzieren und verbessert die Wirkung beider Inhaltsstoffe.

– Paula’s Choice Research Team, Paula’s Choice Hautpflege-Ratgeber

Der Schlüssel liegt in der strategischen Pause. Skin Cycling ist nicht nur eine Methode, sondern eine Philosophie, die die Gesundheit der Hautbarriere über die aggressive Anwendung von Einzelprodukten stellt. Die Anpassung des Zyklus an den Hauttyp ist dabei entscheidend.

Die folgende Tabelle zeigt, wie ein 4-Tage-Skin-Cycling-Plan für verschiedene Hautbedürfnisse angepasst werden kann, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

4-Tage Skin Cycling Plan für verschiedene Hauttypen
Tag Normale Haut Akne-Haut Trockene Haut
Tag 1 BHA-Peeling Salicylsäure Milchsäure
Tag 2 Retinol Retinol Mildes Retinoid
Tag 3-4 Regeneration Beruhigung Peptide & Feuchtigkeit

Der Fehler, im Winter die gleiche Feuchtigkeitscreme wie im Sommer zu nutzen

Die Haut ist ein dynamisches Organ, das sensibel auf seine Umgebung reagiert. Einer der grössten Fehler ist, das ganze Jahr über die gleiche Feuchtigkeitscreme zu verwenden. Die Bedürfnisse Ihrer Haut ändern sich mit den Jahreszeiten drastisch. Im Sommer führen hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit zu einer erhöhten Talgproduktion. Eine leichte, gelbasierte Feuchtigkeitspflege mit hohem Wasseranteil ist hier ideal. Sie spendet Feuchtigkeit, ohne die Poren zu verstopfen oder ein schweres, klebriges Gefühl zu hinterlassen.

Im Winter kehrt sich die Situation um. Kalte Aussenluft und trockene Heizungsluft in Innenräumen entziehen der Haut permanent Feuchtigkeit. Die Luftfeuchtigkeit sinkt, und der transepidermale Wasserverlust (TEWL) steigt. Die Hautbarriere wird stärker beansprucht und neigt zu Trockenheit, Rissen und Irritationen. Eine leichte Gel-Creme ist jetzt völlig unzureichend. Die Haut benötigt eine Creme mit einem deutlich höheren Lipidgehalt – also Fetten wie Ceramiden, Cholesterin und Sheabutter. Diese reichhaltigeren Texturen bilden eine schützende Schicht (Okklusion), die den Feuchtigkeitsverlust minimiert und die Hautbarriere aktiv repariert und stärkt.

Kontrastdarstellung von leichten Sommer- und reichhaltigen Wintertexturen

Die Anpassung der Textur ist also kein Marketing-Trick, sondern eine physikalische Notwendigkeit. Im Sommer geht es um Hydratation mit leichten Formulierungen, im Winter um Schutz und Reparatur durch reichhaltige Lipide. Wer im Winter weiterhin seine Sommerpflege nutzt, riskiert eine chronisch dehydrierte Haut und eine geschwächte Barriere, was zu Rötungen, Empfindlichkeit und einem fahlen Teint führen kann. Hören Sie auf die Signale Ihrer Haut und passen Sie die „Kleidung“ Ihrer Haut der Saison an.

Wann müssen Sie Ihre Tiegel entsorgen, um bakterielle Infektionen zu vermeiden?

Selbst das teuerste Produkt wird wertlos oder sogar schädlich, wenn sein Verfallsdatum überschritten ist oder es durch unsachgemässe Lagerung kontaminiert wurde. Die Haltbarkeit eines Produkts beginnt nicht erst mit dem Öffnen, sondern wird durch seine Formulierung, Verpackung und Lagerung bestimmt. Das kleine Symbol eines offenen Tiegels (PAO – Period After Opening) gibt an, wie viele Monate ein Produkt nach dem Öffnen sicher ist, meist 6M, 12M oder 24M. Doch dies ist nur ein Richtwert unter idealen Bedingungen.

Die Realität sieht oft anders aus. Das feucht-warme Klima im Badezimmer ist ein idealer Nährboden für Bakterien und Schimmel, besonders in offenen Tiegeln, in die man regelmässig mit den Fingern greift. Jede Anwendung kontaminiert das Produkt und beschleunigt seinen Verfall. Pumpspender und luftdichte Tuben sind aus hygienischer Sicht weitaus überlegen. Wenn Sie Tiegel bevorzugen, verwenden Sie unbedingt einen sauberen Spatel, um die Keimbelastung zu minimieren.

Achten Sie auf eindeutige Warnsignale, die anzeigen, dass ein Produkt entsorgt werden muss, unabhängig vom PAO-Symbol. Eine Veränderung der Farbe (z.B. Vitamin-C-Seren, die sich von klar zu orange oder braun verfärben), eine Veränderung des Geruchs (ranzige Öle) oder eine Trennung der Konsistenz (Öl und Wasser trennen sich) sind klare Anzeichen dafür, dass der Wirkstoff oxidiert oder das Produkt bakteriell kontaminiert ist. Die weitere Verwendung solcher Produkte kann nicht nur wirkungslos sein, sondern auch zu Hautreizungen, Unreinheiten oder schweren bakteriellen Infektionen führen. Im Zweifel gilt: Lieber zu früh als zu spät entsorgen.

Wie Sie Kräuteröle korrekt anwenden, um Poren nicht zu verstopfen?

Gesichtsöle sind ein luxuriöser und effektiver Schritt in der Hautpflege, aber ihre falsche Anwendung führt oft zu dem gefürchteten Ergebnis: verstopfte Poren und Unreinheiten. Der Schlüssel liegt in der richtigen Reihenfolge und der Auswahl des Öls. Die fundamentale Regel der Schichtung lautet: Produkte auf Wasserbasis (wie Toner, Essenzen und die meisten Seren) kommen immer vor Produkten auf Ölbasis. Wasser und Öl mischen sich nicht; trägt man zuerst ein Öl auf, bildet es eine Barriere, die das Eindringen der nachfolgenden wässrigen Produkte blockiert. Deren Wirkstoffe bleiben an der Oberfläche und sind nutzlos.

Die korrekte Reihenfolge ist also: Reinigung, Toner/Essenz, wässriges Serum und DANN erst das Gesichtsöl. Das Öl agiert als okklusive Schicht, die die zuvor aufgetragene Feuchtigkeit und Wirkstoffe in der Haut „versiegelt“ und den Feuchtigkeitsverlust über Nacht verhindert. Es schliesst die Routine ab und stärkt die Lipidbarriere der Haut. Viele Menschen machen den Fehler, Öl unter ihrer Feuchtigkeitscreme aufzutragen. Eine moderne Feuchtigkeitscreme ist jedoch oft eine Emulsion aus Wasser und Öl. Wenn das reine Öl zuerst aufgetragen wird, kann die wässrige Phase der Creme nicht mehr richtig in die Haut eindringen.

Die zweite entscheidende Komponente ist die Wahl des Öls. Nicht alle Öle sind gleich. Achten Sie auf nicht-komedogene Öle, besonders wenn Sie zu Unreinheiten neigen. Öle wie Jojobaöl, Arganöl oder Hagebuttenkernöl haben einen niedrigen Komedogenitätsgrad und sind für die meisten Hauttypen gut verträglich. Schwere Öle wie Kokosöl oder Weizenkeimöl hingegen können bei anfälliger Haut schnell zu verstopften Poren führen. Das Öl sollte immer als letzter Pflegeschritt vor dem Sonnenschutz am Morgen oder als finaler Schritt der Abendroutine aufgetragen werden.

Wie zu viel Reinigung und Peelings den Säureschutzmantel zerstören?

In dem Bestreben nach perfekt reiner Haut greifen viele zu aggressiven Reinigungsmethoden und übermässig häufigen Peelings. Dies führt jedoch paradoxerweise oft zu genau den Problemen, die man bekämpfen wollte: Unreinheiten, Rötungen und Empfindlichkeit. Der Grund dafür ist die Zerstörung des Säureschutzmantels, einer hauchdünnen, leicht sauren Schicht aus Schweiss, Talg und Lipiden, die die Haut vor schädlichen Bakterien und Feuchtigkeitsverlust schützt. Ein gesunder Säureschutzmantel hat einen pH-Wert von etwa 5.5.

Aggressive, stark schäumende Reinigungsmittel mit harschen Tensiden können diesen pH-Wert dramatisch anheben und die schützenden Lipide aus der Haut „waschen“. Die Haut fühlt sich danach zwar „quietschsauber“ an, ist aber in Wirklichkeit ihrer natürlichen Abwehr beraubt. Das Gleiche gilt für übermässiges Peelen. Mechanische Peelings können Mikroverletzungen verursachen, während zu häufige chemische Peelings die oberste Hautschicht permanent schwächen. Die Haut wird durchlässiger für Reizstoffe und verliert ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern.

Die Dermatologin Dr. Cindy Wassef warnt eindringlich vor dem Trend der exzessiven Pflegeroutinen:

10-Schritte-Routinen mögen auf TikTok beeindruckend aussehen, aber zu viele Schichten überfordern die Hautbarriere. Dr. Cindy Wassef sagt: ‚Zu viele Produkte können Reizungen und Akne verursachen. Ausserdem ist unklar, ob spätere Schichten überhaupt richtig aufgenommen werden.‘

– Dr. Cindy Wassef, Rutgers Center for Dermatology

Die Lösung liegt in der Mässigung: Verwenden Sie einen pH-neutralen, sanften Reiniger und beschränken Sie Peelings auf 2-3 Mal pro Woche, je nach Hauttyp und Peeling-Art. Eine intakte Hautbarriere ist die Grundlage für gesunde Haut – sie zu zerstören ist der schnellste Weg zu chronischen Hautproblemen.

Die Wahl der Peeling-Art und -Frequenz hat einen direkten Einfluss auf die Integrität des Säureschutzmantels. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Methoden und ihre Auswirkungen.

Peeling-Arten und ihre Auswirkungen auf die Hautbarriere
Peeling-Art Wirkweise Barriere-Impact Empfohlene Frequenz
Mechanisch Physikalische Reibung Hoch – kann Mikroverletzungen verursachen Max 1x/Woche
Chemisch (AHA/BHA) Säuren lösen Verbindungen Mittel – pH-abhängig 2-3x/Woche
Enzymatisch Proteine spalten sanft Niedrig – schonendste Methode 2-3x/Woche

Das Wichtigste in Kürze

  • Chemische Kompatibilität: Achten Sie auf den pH-Wert-Konflikt zwischen Wirkstoffen wie Vitamin C und Retinol, um deren Neutralisierung zu vermeiden.
  • Chronobiologie nutzen: Richten Sie Ihre Routine am biologischen Rhythmus der Haut aus – Schutz am Morgen, Reparatur in der Nacht.
  • Barriereintegrität priorisieren: Weniger ist oft mehr. Methoden wie Skin Cycling schützen den Säureschutzmantel und verhindern Irritationen durch Überbeanspruchung.

Warum eine gestörte Barriere der Grund für Ihre Unreinheiten und Rötungen ist?

Viele Hautprobleme, von Akne über Rosazea bis hin zu chronischer Trockenheit, haben eine gemeinsame Wurzel: eine gestörte Hautbarriere. Stellen Sie sich die Hautbarriere wie eine Ziegelsteinmauer vor. Die Hautzellen (Korneozyten) sind die Ziegel, und die Lipide (Fette wie Ceramide, Cholesterin und freie Fettsäuren) sind der Mörtel, der alles zusammenhält. Wenn dieser „Mörtel“ intakt ist, hält die Mauer Feuchtigkeit im Inneren und schädliche Einflüsse wie Bakterien und Reizstoffe draussen. Ist die Barriere jedoch geschädigt – durch aggressive Reinigung, übermässiges Peeling, Umweltstress oder UV-Strahlung – wird die Mauer brüchig und durchlässig.

Eine geschwächte Barriere führt zu zwei Hauptproblemen. Erstens entweicht Feuchtigkeit unkontrolliert, was zu Dehydration, Spannungsgefühlen und feinen Trockenheitsfältchen führt. Zweitens können Reizstoffe und Bakterien leichter in die Haut eindringen und Entzündungsreaktionen auslösen. Dies manifestiert sich in Rötungen, Empfindlichkeit und sogar Akne-Ausbrüchen, da das Hautmikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät. Es ist ein Teufelskreis: Die Haut versucht, den Schaden zu reparieren, was zu weiteren Entzündungen führt. Dabei ist der grösste Feind der Hautbarriere die Sonne. Dermatologische Studien belegen, dass 80 Prozent der sichtbaren Hautalterung durch UV-Strahlen verursacht werden, die die Lipidstruktur der Barriere direkt angreifen.

Die Priorität jeder Hautpflegeroutine sollte daher nicht die Behandlung von Symptomen, sondern die Stärkung und Reparatur der Hautbarriere sein. Inhaltsstoffe wie Ceramide, Niacinamid (das die hauteigene Lipidproduktion anregt) und Hyaluronsäure sind hierfür essenziell. Eine intakte Barriere ist die Grundlage für eine gesunde, widerstandsfähige und strahlende Haut.

Aktionsplan: So reparieren Sie Ihre Hautbarriere

  1. Wirkstoffe identifizieren: Überprüfen Sie Ihre Produkte auf barriere-stärkende Inhaltsstoffe. Suchen Sie gezielt nach Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren.
  2. Sanfte Reinigung: Ersetzen Sie aggressive, schäumende Reiniger durch eine pH-neutrale Reinigungsmilch oder ein Reinigungsöl, um den Lipidverlust zu stoppen.
  3. Pausieren Sie aktive Wirkstoffe: Setzen Sie für mindestens zwei Wochen alle Peelings (AHA/BHA) und hochkonzentrierten Retinoide aus, um der Haut Zeit zur Regeneration zu geben.
  4. Feuchtigkeit versiegeln: Tragen Sie nach der Reinigung eine Creme auf, die reich an Ceramiden ist, um die „Lücken“ im Lipidmörtel zu füllen und den Wasserverlust zu stoppen.
  5. Täglicher Sonnenschutz: Verwenden Sie täglich und ohne Ausnahme einen Breitband-Sonnenschutz (LSF 30+), um die Barriere vor dem Hauptschadensfaktor UV-Strahlung zu schützen.

Die Optimierung Ihrer Pflegeroutine ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess des Lernens und Anpassens. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Routine wissenschaftlich zu hinterfragen, um das volle Potenzial Ihrer Produkte freizusetzen und die Gesundheit Ihrer Haut nachhaltig zu verbessern.

Häufig gestellte Fragen zur richtigen Hautpflegeroutine

Welche Verpackung ist am hygienischsten?

Pumpspender und Tuben sind hygienischer als Tiegel, da kein direkter Fingerkontakt mit dem Produkt stattfindet. Bei Tiegeln immer einen sauberen Spatel verwenden.

Woran erkenne ich verdorbene Produkte?

Veränderungen in Farbe (oxidiertes Vitamin C wird orange/braun), Geruch (ranzig bei Ölen) und Konsistenz (Trennung von Öl und Wasser) sind Warnsignale.

Wo sollten Kosmetika gelagert werden?

Das feucht-warme Badezimmer ist der schlechteste Ort. Besser: kühler, dunkler Ort im Schlafzimmer oder Kühlschrank für instabile Wirkstoffe wie L-Ascorbinsäure.

Geschrieben von Flavia Caviezel, Kulturanthropologin und Outdoor-Guide mit Spezialisierung auf den Alpenraum. Kennerin lokaler Bräuche, nachhaltigen Tourismus und die versteckten Juwelen der Schweizer Kantone.